Mein Kampf mit den Wörtern

E-N-D-E

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Posted on 17. Dezember 2016 by

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Rund 1700 Seiten, 560.000 Wörter und ungezählte Stunden am PC … das ist die bisherige Bilanz meiner Wikinger – Trilogie, die mich seit nunmehr sechs Jahren auf Schritt und Tritt begleitet.  Und was habe ich nicht alles gemeinsam mit Lynn und Eirik erlebt?

Wir haben gestritten und uns angeschwiegen, zusammen gelacht und gemeinsam gekämpft. Egal was ich tat, sie waren immer dabei, irgendwo in meinem Hinterstübchen. Und nicht nur sie. Etliche Charaktere haben die Geschichte bereichert und begleitet, viele haben sie nicht überlebt (sehr viele, wenn ich so darüber nachdenke … fettes SORRY an alle, die es nicht geschafft haben 😉 )

Am letzten Freitag, den 16.12.2016, rund eine Woche vor Weihnachten, war es dann so weit. Ich habe die magischen vier Buchstaben unter das Romanmanuskript zu „Von den Herren der See“ gesetzt und damit eine Ära beendet.

Mein erster Gedanke war – endlich! Ich bin frei! Frei, etwas Neues zu schreiben, neue Figuren, neue Geschichten zu entdecken. Es gibt so viel, das auf mich wartet!

Dann sickerte die Erkenntnis zu mir durch: Ich werde nie wieder mit Eirik über seine Familie fluchen, nie mehr mit Lynn im Salzfass zittern, nie wieder mit ihr durch valhöl spazieren, mit „Giftzahn“ durch ein Feindesheer pflügen, mit einem Langschiff einen Sturm durchqueren (na gut, das vielleicht doch irgendwann noch mal) und, und, und …

Aus und vorbei.

Diese Figuren haben mich jahrelang begleiten, sind selbst ein Teil von mir geworden. Sie fühlen sich für mich echt an, und nun ist es, als würde ich ein paar sehr gute Freunde für immer verabschieden. Ist das der Grund dafür, warum manche Autoren etliche Bände mit den geliebten Helden veröffentlichen? Verstehen kann ich es, aber für mich steht fest: Dies ist ein Abschied für immer, meine Helden haben ihren Ruhestand mehr als verdient.

Neue Helden, neue Geschichten warten auf mich.

Aber wie geht es nun weiter?

Sicher ist, mit dem Wort ENDE unter einer Geschichte ist es nicht getan. 160.000 Wörter müssen überarbeitet, umgestellt, gelöscht oder hinzugefügt werden. Ich werde ganze Passagen neu schreiben, ganze Szenen dazu erfinden. Die wahre Arbeit beginnt erst jetzt, und sie wird mir noch etliche Stunden mit meinen Lieblingswikingern bescheren. Und bis es dann wirklich, wirklich, wirklich und endlich fertig ist … habe ich gewiss die Schnauze voll von Wikingern im Allgemeinen und diesen im Besonderen.

Bis dahin genieße ich den Triumph, den dieses kleine Wörtchen E-N-D-E mir beschert. Ich habe es geschafft, trotz aller Widrigkeiten, Zweifel und Zeitfresser. Ich habe es geschafft! Und während in meinem Oberstübchen neue und alte Helden miteinander um meine Gunst wetteifern, lehne ich mich zurück und genieße die besinnlichen Weihnachtstage mit meiner Familie. Und lächle.

Ich wünsche all meinen Lesern eine schöne Weihnachtszeit und einen guten „Rutsch“ ins Neue Jahr. Wir lesen uns bald wieder!

Eure Rebekka

Die Muse und der Lektor

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Posted on 11. November 2016 by

dav

Ich liebe das Schreiben. Wenn ich schreibe, bin ich glücklich, beinahe manisch. Aber gleichzeitig hasse ich es auch, denn verdammt! Es frisst meine Zeit! Zeit, die ich für andere Dinge bräuchte. Meine Familie, Freunde, Hobbies … die Schmutzwäsche!

Meine Muse ist ein Quälgeist. Sie zerrt und fordert und jammert und mault … und wenn ich nicht springe, sobald sie ruft, verzieht sie sich verzickt in ihr Kämmerlein und ward nicht mehr gesehen. Oft für Monate. Also füttere und streichle ich das scheue Geschöpf so oft ich nur kann. Schließlich will ich nicht riskieren, dass es eines Tages seine Sachen packt und bei mir auszieht.

Wenn sie um die Ecke schaut, dann weiß ich: Es gibt kein Entrinnen. Dann kann die Schmutzwäsche sich turmhoch im Wirtschaftsraum stapeln, der Magen knurren, der Rücken schmerzen, Mann und Kinder quengeln. Wenn sie ruft: „Schreib!“, dann schreibe ich. Dann fliegen meine Finger über die Tastatur, dann schaltet sich mein Verstand aus und hinter meinen starr auf den Monitor gerichteten Augen läuft ein Film, den nur ich sehen kann, und den es für den Rest der Welt auf Papier zu bannen gilt. Dann gibt es keine Tippfehler, keine unschönen Formulierungen, keine Zweifel. Sie sieht so zart und harmlos aus wie ein Engel, aber sie ist gnadenlos.

Allzu oft geschieht dies jedoch (leider? Zum Glück?) nicht. Sie ist ein seltener Gast, meine Muse. Schaut nur ab und zu mal rein, um mich anzuspornen oder wieder auf Spur zu bringen.

Der Rest ist harte Arbeit. Quälendes Getippe und Gelösche, mühsames Herumfeilen an DER Formulierung . Ewiges Wälzen von Problemen, von Webseiten, von Büchern, um diese eine Pflanze zu finden, die zwar Bauchschmerzen verursacht, aber nicht tötet, oder herauszufinden, wie man am leichtesten jemandem die Kehle durchschneidet, um dann in dubiosen Jäger -, Schwurbler- oder Selbstmordforen zu landen, sich festzulesen, den nächsten interessanten Link zu klicken … oh, hier gibt’s 20% Rabatt auf Schuhe! … Moment, wollte ich nicht schreiben? Aber es ist schon nach Zehn und morgen muss ich wieder früh raus, naja, dann eben morgen Abend …

Meine Muse verleiht dem Schreiben Magie, aber sie braucht Futter. Und das liefere ich ihr, Tag für Tag, Abend für Abend, wenn ich übermüdet an meinem Laptop klebe und mir mühsam ein Wort nach dem anderen abringe. Und auf sie warte …

Aber auch, wenn das Schreiben die meiste Zeit harte Arbeit ist, würde ich es niemals missen wollen. Denn die wenigen glanzvollen Momente, wenn die Muse erscheint, wenn es „flowed“, sind all die Mühsal wert.

Die wahre Kunst des Schreibens kommt übrigens erst hinterher, wenn es gilt, den Text so anzupassen, dass die „magischen“ und die „erarbeiteten“ Textstellen einander gleichen, sodass es für die Leser keinen Unterschied macht, ob meine Muse vorher angeklopft hat oder nicht. Diesen Teil des Jobs erledige ich gemeinsam mit meinem inneren Lektor (der während der Musenbesuche übrigens gefesselt und geknebelt um Garderobenschrank liegt), der ein kritisches Auge auf alles wirft, was ich geschrieben habe.

Manchmal rauft er sich die Haare, wenn er liest, was meine Muse da verzapft hat … und manchmal lächelt er, wenn meine harte Arbeit ungeahnte Perlen hervorbringt.

Wie aus einer aus dem Ruder gelaufenen Idee ein Roman wurde, oder: Die Wikinger und ich

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Posted on 11. November 2016 by

 

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Ich gestehe – mein Roman „Von den Grenzen der Erde“ entstand aus einer Laune heraus, in einer Zeit, als ich noch nicht wusste, wohin mich das Abenteuer Schreiben führen würde. Eine Tages überfiel mich diese Idee und ließ mich nicht mehr los. Es war lange bevor ich über Kinder und Hausbau nachdachte, als mein Mann und ich noch eine gemütliche kleine Dachgeschosswohnung in Münster bewohnten und ich mein druckfrisches Diplom in der Tasche hatte, ohne einen Plan, was ich nun damit anstellen sollte …

Es war Sommer. Wir saßen auf dem Balkon, hauten ein paar Würstchen auf den Grill und tranken Bier. Ich fühlte mich etwas planlos nach Fertigstellung meiner Diplomarbeit, hatte Langeweile und den Kopf voller krauser Ideen. Ich erzählte meinem Mann von Lynn, dem Mädchen mit der „besonderen Gabe“, ohne zu wissen, worin diese Gabe besteht, oder wohin sie die Geschichte führen wird.

Ich hatte eine vage Vorstellung davon, dass Lynn einen gewissen Status haben könnte, dass sie entführt wird und unter Wilden landet – um dann wieder aufzusteigen, aufgrund ihrer Gabe. Nämlich.

Wir begannen, wild zu spekulieren. Unsichtbarkeit kam ins Spiel, und Teleportation. Die „Wilden“ stellten wir uns als Germanenstamm vor.

„Och nö“, höre ich mich noch sagen, „bloß nichts Historisches!“

Aber sie ließ mich nicht mehr los, diese Lynn, und ich begann, einen Plot zu spinnen, der zunächst recht einfach gestrickt war. Ich fing damit an, germanische Stämme zu recherchieren, was sich als recht mühsam entpuppte. In diesem Zusammenhang stieß ich immer wieder auf die Wikinger.

„Abgedroschen“, dachte ich mir, schließlich zieren muskelbepackte Normannen jedes zweite Groschenromancover im Supermarktregal.

Aber je mehr ich über sie herausfand, umso mehr erkannte ich, wie wenig an den bekannten Klischees dran ist. Und ich beschloss, mit diesen Klischees zu spielen, sie gleichzeitig aufzubrechen. Eine Geschichte zu schreiben, die scheinbar vorhersehbar daherkommt und sich zu etwas ganz Eigenem entwickelt.

Im Laufe dieses Prozesses begann eine zunächst wenig bedeutsame Nebenfigur, der junge Seemann Eirik Karrsson meine Aufmerksamkeit zu fesseln.

Schließlich muss so eine Nebenfigur aufgebaut werden. Sie kann nicht aus dem Nichts einfach auftauchen und der Protagonistin zur Hilfe eilen. Also bekam Eirik seine Geschichte. Ein kleiner Nebenstrang wird erlaubt sein, sagte ich mir, und er begann auf dem thing, mit einer Gerichtsverhandlung, bei der Eirik das Schlimmste zustößt, was einem Nordmann zustoßen kann- Verbannung! Obendrein belegt seine verschmähte Liebste ihn auch noch mit einem Fluch, und so fristet Eirik seine Jahre als Geächteter, als vargr …

Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass die Begegnung mit Eirik Karsson zu einer der intensivsten, verrücktesten, fesselndsten und in den Wahnsinn treibendsten Erfahrungen zählt, die ich je gemacht habe. Mit einem Paukenschlag riss er das Ruder an sich und machte diese Geschichte zu seiner Geschichte, gab ihr eine ganz neue Wendung und sorgte dafür, dass ich nächtelang wie eine Besessene schrieb, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben, was ich da tat.

Und so schrieb ich nicht nur die Geschichte von Lynn, der irischen Königstochter, die den Toten auf dem Pfad ins Jenseits folgt, sondern auch von Eirik, dem verfluchten Krieger, dem Fenrirs Atem bei jedem Schritt ins Genick bläst.

Es entstand eine, nein, es entstanden zwei Geschichten von Helden, die keine sind, von Familien, die auseinanderbrechen, von Liebe, die keine Hoffnung hat, und von einer gefährlichen Sehnsucht, die zur Sucht wird. Die Geschichte handelt von Freundschaft und Verrat. Von Liebe und Tod. Von dem Wunsch, dazuzugehören. Von Heimat. Sie handelt von Grenzen und Grenzgängern. Und sie handelt – natürlich – von Wikingern. 😉

Seither haben Lynn und Erik mich nicht mehr losgelassen. Inzwischen schreibe ich den dritten und letzten Band der Reihe, habe viele Figuren erschaffen und lieb gewonnen (und einige davon auch schweren Herzens wieder ziehen gelassen). Diese Geschichte hat mich beim Schreiben gefesselt, wie keine andere und ich bin unendlich froh, an jenem Sommerabend auf dem Balkon meinem Bauchgefühl gefolgt zu sein, ohne das es heute keine Wikingergeschichten von mir gäbe.